Angedacht - Schwein gehabt

„Schwein gehabt“ hört man hier und dort, wenn das unvermeidliche nicht eingetreten ist, wenn die Katastrophe eine unerwartete Wendung nimmt. „Schwein haben“, das bedeutet unverhofft Glück zu haben. Bei einigen Kartenspielen im 16. Jahrhundert wurde das Ass (Die höchste Karte im Kartendeck) noch „Sau“ genannt. Vielleicht wurde „Schwein haben“ positiv verwendet, wenn Menschen, die während einer Hungersnot oder Katastrophe, trotzdem noch Brot und Speck auf dem Tisch hatten – was ein Glück. Den genauen Ursprung dieser Redewendung kennt man allerdings nicht.

Heute kann man die Redewendung eigentlich nicht mehr nachvollziehen. Immer mehr drängt sich das Stichwort „Nachhaltigkeit“ und auch ethische Nachfragen bezüglich des Tierwohls in den Vordergrund des öffentlichen Dialogs. Wer heute „Schwein gehabt“ sagt, verbindet das Sprichwort höchst wahrscheinlich nicht mehr positiv. Denn was soll das für ein Glück sein? Assoziiert die heutige Gesellschaft das Schwein nicht eher mit der gnadenlosen Massentierhaltung und der dahinter stehen Industrie, welche damit Profit macht? Das Thema drängt an die Öffentlichkeit – zurecht. Und es nutzt nichts, die Augen davor zu schließen, oder anstatt „Schwein gehabt“ etwa „Kuh gehabt“ zu sagen, denn es ist der Kuh nicht anders bestellt.

Ich weiß – auch ich esse nur zu gerne Fleisch. Ein leckeres Steak, schön mit Kräuterbutter auf dem Grill saftig gegart. Ein gutes Baguette und gemischter Salat dazu. Manch einer kann die Grillsaison nicht mehr abwarten und hat bereits die Kohle zum glühen gebracht. Es fällt nicht einfach über moralische Aspekte der Fleischverwertung zu sprechen, ohne dabei als Moralapostel abgestempelt zu werden, oder sich gleichermaßen in Widersprüche zu verwickeln. Und doch ist das Thema wichtiger denn je.

Betrachten wir den Strukturwandel der letzten 60 bis 70 Jahren fällt beträchtlich auf, dass die Anzahl der Schweinehalter um 65% abgenommen hat. Statt 2,4 Millionen Schweinehalter im Jahr 1950 gibt es derzeit rund 23.000 Großbetriebe in Deutschland, die den Fleisch Konsum der Deutschen decken sollen. Hingegen ist der durchschnittliche Konsum gestiegen. Das heißt im Klartext, wo früher Bauern im durchschnitt 5 Schweine gehalten haben und sich entsprechend individuell um das Tier kümmern konnten, kommen heute auf jeden Mastbetrieb 1175 Schweine – das 235-fache. Das führt unweigerlich dazu, dass die Tiere im wahrsten Sinne des Wortes abgefertigt werden.

Und leider muss man sagen, dass auch der Staat nicht durch regulierende Gesetze eingreift. Trotzdem kann man die Schuld nicht einfach auf die Betriebe, den Staat oder sonstige Verbände schieben. Ebenfalls sollte man nicht den Fleischesser per se ans Kreuz nageln, weil er ja für die Nachfrage sorgt. Bleibt Wegschauen und Duckenheimertum die beste Alternative? Ich denke nein. Ganz im Gegenteil. Wir sollten mutig an das Thema herangehen und darüber nachdenken, wie wir nachhaltig und fair mit unserer Umwelt und den Tieren umgehen können. Gott hat uns seine Schöpfung anvertraut und mutet uns zu, dass wir gute Lösungen finden. Schließlich sind wir nach seinem Bilde geschaffen und entsprechend wollen wir unser Bestes dafür tun, gerecht zu leben.

Lass dich herausfordern. Ein Familienausflug zu einem nahegelegenen Bauernhof, der Nachhaltigkeit auf seine Fahnen geschrieben hat, kann dich und deine ganze Familie inspirieren. So kannst du ganz unbefangen über das Thema ins Gespräch kommen. Traditionen und Rituale, wie das alljährliche Osterfasten könnten ein Anreiz sein, eine Weile auf Fleisch zu verzichten. Suche dir kreative vegetarische Rezepte, die schmecken und Appetit nach mehr versprechen – Das Internet ist voll davon. Stell das Thema in den Mittelpunkt deines nächsten Hauskreises oder Gebetsabend.

Hast du noch weitere kreative Ideen? Lass es uns gerne wissen und schreib uns deinen Kommentar unter Internetseite.

 

 

1 Mose 1,28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. 29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. 30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.

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